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Sein Wirken

Ganz für die Menschen da

Was machte Pfarrer Augustinus Hieber so außergewöhnlich?

Warum zogen Tausende in das kleine Allgäudorf Merazhofen, um diesen Priester zu erleben? Sein Geheimnis war die tiefe Verbindung mit Christus. Und wie Jesus war er ganz für die Menschen da. Er rieb sich auf, um Seelen zu retten. Seine Biografin Ida Lüthold-Minder beschreibt es so: „Er eroberte bald alle Herzen … Er verstand es, Ernst und Scherz miteinander im rechten Maß zu vereinen. Besonders die Jugend eroberte er im Sturm. Seine Katechesen waren aber auch so packend und anschaulich, dass selbst der trägste Schüler das Gähnen vergaß. Seine große Liebe, ein angeborenes Einfühlungsvermögen und die ganz übernatürliche Einstellung zu den Menschen befähigten ihn zum feinen Krankenseelsorger … Sein ganzes Leben war ein Priesterleben mit dem totalen Einsatz aller seiner geistigen und leiblichen Kräfte … Wie oft betete er die Nacht hinein, wenn einer dem Tode nahe war und von Gott nichts wissen wollte.“ In seiner menschlichen Art, seinem fröhlichen, aber ganz tiefen und charismatischem Charakter wurde er den Gläubigen zu einem menschlichen Priester mit Profil, zu einem, der ihnen kraft seiner Weihe und seiner innigen Beziehung zu Christus helfen konnte.

Biografische Daten

– 1886, 5. Februar, 15:00 Uhr: Augustinus Hieberwird geboren
– 1896: Berufung zum Priestertum und Eintritt ins Real-Lyzeum in Schwäbisch Gmünd
– 1901: Eintritt ins Rottweiler Konvikt
– 1905: Eintritt in das Wilhelmsstift Tübingen und 1909 ins Rottenburger Priesterseminar
– 1910, 13. Juli: Priesterweihe; danach Vikar in Schramberg im Schwarzwald und Bau der dortigen Heilig-Geist-Kirche
– 1914: Großstadtvikar in Stuttgart (St. Nikolaus) und Krankenhausseelsorger
– 1921: Bau der Herz-Jesu-Kirche in Stuttgart-Gaisburg
– 1926, Advent: Stadtpfarrer der Diaspora-Pfarrei Göppingen und Bau der Herz-Jesu-Kirche in Ebersbach/Fils
– 1935/1936: lebensbedrohende Erkrankung
– 1936: nach Genesung Investitur als Dorfpfarrer und Bischöfl. Kommissär in Merazhofen
– 1952–56: Wallfahrten nach Lourdes, La Salette, Rom und zu Pater Pio
– 1960: Goldenes Priesterjubiläum
– 4. Januar 1968: Pfarrer Hieber stirbt im Alter von 82 Jahren.

Großer Beter und Marienverehrer

Es sind immer wieder diese Dinge: Beichte, Gebet, Eucharistie, Marienverehrung, die das Leben heiliger Frauen und Männer prägen. Gleichsam die Anker des Glaubens. So war auch Pfarrer Hieber von Jugend auf ein großer Beter. Besonders pflegte er die Verehrung des Hl. Blutes, der heiligsten Herzen Jesu und Mariä und die Heilig-Geist-Andacht. Als er mit erst 50 Jahren todkrank darniederlag und keine Rettung in Sicht war, versprach er: „Herr, wenn du mir noch ein paar Jahre schenkst, gelobe ich, jeden Tag die Herz-Jesu-Litanei zu beten.“ Pfarrer Hieber hielt sein Versprechen, fand ins Leben zurück und wurde 82 Jahre alt: „Ich hab’s immer gehalten das Versprechen und nie bereut, es hat mein Leben total verändert!“
Viele Stunden der Nacht und des frühen Morgens kniete er vor dem Allerheiligs-ten: Demütiges Herzensgebet aus Liebe zu Gott und den Mitmenschen, mit der Frucht des Heiligen Geistes, der ihm viele Gnadengaben schenkte.
Auch eine besondere Liebe zu Maria, der Mutter Gottes, prägte den begnadeten Pfarrer. Täglich betete er den Rosenkranz, verbreitete nach Kräften die Botschaften der Muttergottes von La Salette und Fatima und war ein eifriger Wallfahrer. Tief verehrte er das Kind in der Krippe. Als die Nationalsozialisten sich anschickten, in den 52 Schulen seines Dekanats Leutkirch die Kreuze abzuhängen, betete er in einer kalten Winternacht verzweifelt vor dem Jesuskind in der Krippe seiner Kirche, bis er in den Morgenstunden die Stimme vernahm: „Es geschieht euch nichts!“ Am nächsten Tag kamen die Agenten der GESTAPO. Doch sie gingen wieder, ohne dass sie gegen den mutigen Pfarrer etwas auszurichten vermochten. Die Kreuze an den 52 Schulen blieben an der Wand und weiterhin konnte Religionsunterricht erteilt werden.

Pfarrer Hieber und der hl. Pater Pio

Pilgerorte zogen den Segenspfarrer aus dem Allgäu an. Er unternahm viele Wallfahrten, um lange und intensiv an heiligen Stätten zu beten. Neben einigen größeren Pilgerfahrten nach Lourdes und La Salette fuhr er besonders gerne und oft zur schwarzen Madonna von Einsiedeln und zum heiligen Bruder Klaus von Flüe in die Schweiz. Der Friedensheilige im Ranft hatte es ihm besonders angetan: „Wenn ihr den Bruder Klaus nicht hättet, wer weiß, ob es heute noch eine freie Schweiz gäbe!“
Welch große Begnadung Pfarrer Augustinus Hieber von Gott empfing, wird an folgendem Ereignis deutlich. Im Rahmen einer Rom-Wallfahrt 1956 besuchte Pfarrer Hieber auch San Giovanni Rotondo, wo der heilige Pater Pio wirkte. Als der Pfarrer unter der wartenden und drängenden Menge stand, hörte er plötzlich seinen Namen rufen; er solle zu Pater Pio kommen. Wer sollte hier seinen Namen kennen? Anonym und unangemeldet hatte er sich in die lange Warteschlange eingereiht. Doch Pater Pio sprach ihn sofort mit seinem Namen an und bat um seinen priesterlichen Segen. Demütig fragte sich Pfarrer Hieber immer wieder, wenn man ihn auf diese Begegnung ansprach: „Wie kam ich nur zu der Ehre, einen so großen Mann segnen zu dürfen?“ Die Antwort auf diese Frage hat Pater Pio mitgereisten Pilgern aus Merazhofen gegeben, als er zu ihnen sagte: „Sie brauchen nicht hierherzukommen, Sie haben selbst einen Segenspriester unter sich.“ Der heilige Pater Pio, der die Gabe hatte, den Menschen ins Herz zu schauen, liefert in dieser Begegnung mit Pfarrer Hieber eines der eindrucksvollsten Zeugnisse für dessen Begnadung. Übrigens, beide Gottesmänner – Pater Pio und Pfarrer Hieber – starben im Jahre 1968 im Alter von 82 Jahren.

Pater Pio

Pfarrer Hieber

Seine Segenskraft

Der Ruf Pfarrer Hiebers als guter Beichtvater und Segenspriester hatte sich rasch über das Allgäu hinaus verbreitet. In das kleine Merazhofen strömten bald Besucher aus ganz Deutschland, aus Österreich, der Schweiz und anderen Ländern. Für jeden nahm er sich Zeit, gab den Menschen Ratschläge und segnete jeden. Immer fand er Worte der Ermutigung und des Trostes. Viele Menschen, die sich an ihn wandten, berichten darüber hinaus von außergewöhnlichen Erfahrungen mit dem Segensmann. Denn seine Segenskraft war groß. Mancher wurde von einer schweren Krankheit geheilt, nachdem Pfarrer Hieber über ihn den Segen gesprochen hatte. Wie etwa jene Frau aus Vorarlberg, die nach einer Gehirnblutung von den Ärzten als blind und verwirrt aufgegeben worden war, oder ein junger Mann, der sich an der Wirbelsäule schwer verletzt hatte und schon acht Tage nach dem priesterlichen Segen wieder vollständig genesen war. Ehen, die zerrüttet schienen, führte er wieder zusammen, Menschen bekehrten sich durch ihn.

Sein Blick ins Jenseits

Zeugen berichten neben seiner Gabe der Seelenschau („Er sagte mir Ereignisse aus meinem Leben, die niemand wissen konnte“), auch von der Fähigkeit Pfarrer Hiebers, „einen Blick ins Jenseits“ werfen zu können. Er selber sprach zu Vertrauten von Begegnungen mit armen Seelen und Nachstellungen des Bösen. Brachten Besucher ein Bild von Vermissten oder Gefallenen des Zweiten Weltkrieges mit, konnte der Gottesmann Auskunft geben über den Verbleib der Seelen. Eine Frau aus München etwa, deren Mann verbittert gelebt und bis zu seinem Tod keine Zeichen innerer Umkehr gegeben hatte, reiste nach Merazhofen, um vom Pfarrer eine Auskunft über das Seelenheil ihres Gatten zu erbitten. Aber die verängstigte Frau, die so in Sorge war um ihren Mann, wagte sich nicht ins Pfarrhaus. Als sie sich schließlich einer anderen Pilgerin anvertraute, konnte die sie überreden, den Schritt doch zu wagen. Kaum zurück aus dem Pfarrhaus, berichtete sie unter Tränen der Freude: „Wissen Sie, wie mir’s erging? Die Haushälterin öffnete mir die Tür. Noch hatte ich kein Wort vom Grund meines Besuches gesagt, als der Herr Pfarrer vom oberen Stock herunterkam und mir froh zurief: ,Er ist gerettet, er ist gerettet!ʻ Ich bin erschüttert bis ins Innerste.“

Ein herzensguter Mensch

Pfarrer Augustinus Hieber half den Menschen nicht nur in seelischen Nöten, nicht nur durch Gebet und Segen. Wo immer er konnte, linderte er auch finanzielle Not. Geldscheine, die ihm zugesteckt wurden, verwendete er nie für eigene Zwecke. Viel Geld schickte er in die Missionen, manchem ermöglichte er ein Studium und Fremde und Obdachlose bewirtete der Dorfpfarrer von Herzen gern. Wie demütig der erleuchte Priester trotz all seiner Befähigungen geblieben war, zeigt das Schlusswort einer kurzen Rede, die er anlässlich seines 80. Geburtstages am 16. Februar 1966 gehalten hatte: „Oh, ich weiß um meine Schwachheit und Armseligkeit, ich weiß nur zu gut, man macht auch Fehler, man könnte manches anders machen und hätte manches anders machen sollen. Aber nicht darauf kommt es an, sondern darauf, dass man eines hat: die Liebe!“
Als der Pfarrer am 4. Januar 1968 seine Augen für immer schloss, mitten im Weiß des Allgäuer Winters, wurde vielen erst klar, was sie mit ihm verloren hatten. Wer aber die Worte des damaligen Kirchenpflegers Theo Steur am Grabe Pfarrer Hiebers beherzigte: „Kommt weiter zu ihm, betet zu ihm an seiner Grabesstätte, und ihr werdet auch weiterhin Hilfe und Trost finden“, fand sich bestätigt: Der Segenspfarrer vom Allgäu ist nicht einfach weg, er wirkt weiter vom Himmel her. Zahllose Votivtafeln und dankbare Beter am Grab des Gottesmannes bezeugen dies eindringlich.

„Er war den Menschen
seiner Zeit ein Segen!“

Interview mit Dekan Kurt Benedikt Susak, dem 1. Vorstand desdes Pfarrer Augustinus Hieber Gedächtnis Vereins e.V.

Herr Pfarrer Susak, wie sind Sie persönlich auf Pfarrer Augustinus Hieber aufmerksam geworden?
Durch meine Familie. In Merazhofen ist mein verstorbener Vater aufgewachsen und auch meine Großmutter lebte dort. In der Erinnerung vieler älterer Merazhofer ist das Andenken an Pfarrer Hieber noch sehr lebendig vorhanden. Ich erinnere mich, dass wir als Kinder immer wieder einmal mit unserer Großmutter das Grab von Pfarrer Hieber aufsuchten und dort mit zahlreichen Menschen ins Gespräch kamen. So bin ich von Jugend auf, anfangs völlig unbewusst, auf Pfarrer Hieber aufmerksam geworden.

Was hat Sie am „Segenspfarrer vom Allgäu“ so begeistert, dass Sie sogar Ihre theologische Diplomarbeit über Pfarrer Hieber geschrieben haben?
Beim Ökumenischen Kirchentag in Berlin lautete das Motto damals: Ihr sollt einander ein Segen sein. Und genau darum geht es! Nicht ohne Grund wurde und wird Pfarrer Hieber vom Volk als „Segenspfarrer“ bezeichnet, denn er war den Menschen seiner Zeit und darüber hinaus wahrhaft ein Segen. Segnen ist eine göttliche Handlung, die Leben schenkt und im barmherzigen Vater ihren Ursprung hat. Auf den Menschen bezogen bedeutet das Wort Segen: Anbetung und Selbstübergabe an den Schöpfer in der Danksagung. In dieser Grundhaltung wurde auch Augustinus Hieber zum Segen für seine Mitmenschen. In dem Maße, indem sich der Priester seines Selbstverständnisses bewusst wird und als Geistlicher und Mystiker (vgl. Karl Rahner) für die Wirklichkeit des transzendenten Gottes eintritt, in dem Maße übt er eine bleibende Faszination auf die Menschen aus, die in ihrer Wurzel immer auf den Hohepriester Jesus Christus hinweist. Und ein solches priesterliches Wirken, in dem der Partner der Seelsorge der Mensch ist, ist wahrhaft ein segensreiches Wirken. Pfarrer Hieber hatte seine ganze pastorale Strategie, wie man heute sagen würde, auf eine Karte gesetzt. Und die Frucht eines solchen Wirkens bleibt über den Tod hinaus, bis heute, für viele Menschen faszinierend, anziehend, hilfreich und Segen bringend. Dieses Gedankenmuster war es unter anderem, das mich bewegte, die gesamte Phänomenologie um Pfarrer Hieber in einer wissenschaftlichen Methode in die heutige Zeit hinein zu übersetzen, eine Zeit, die eine weltoffene und selbstbewusste Katholizität, ja weltoffene und selbstbewusste Priester, mehr denn je braucht.

Sie haben sich durch Ihre wissenschaftliche Arbeit intensiv mit Pfarrer Hieber beschäftigt. Was sind Ihrer Meinung nach die Merkmale, die diesen Priester so anders und besonders gemacht haben?
Zunächst einmal seine tiefe Spiritualität, auf der sein ganzheitliches Wirken gründete. Sie war in erster Linie christozentrisch, dann aber auch gesund marianisch und ekklesiologisch geprägt. Er vermittelte durch sein Auftreten Sicherheit und Tiefe. Er vertrat vor den Menschen, wie der Apostel Paulus es forderte, gelegen und ungelegen den Glauben. Dies aber nicht in einer extremen und weltfremden Anschauung, sondern vielmehr, oft auch humorvoll, in das Leben der Menschen hinein übersetzt. Er hatte im Vergleich zu vielen Menschen von heute, auch Priestern, einen klaren Standpunkt und schlängelte sich nicht durch die zahlreichen Vorstellungen der Gesellschaftsmeinung hindurch, um ja nirgends anzuecken. Dadurch war er glaubwürdig und gewann das Vertrauen der Menschen in einem überdurchschnittlichen Maße. Der ehemalige Münsteraner Bischof Reinhard Lettmann formulierte die Frage der Glaubwürdigkeit und Überzeugungskraft von Priestern so: „Wir brauchen heute Priester mit Profil: Menschen, an denen erkennbar wird, wofür sie stehen und für wen sie gehen.“ Der gegenwärtige gesellschaftliche Wandel, der mit Stichworten wie Globalisierung, Säkularisierung und Erlebnisorientierung freilich nur grob charakterisiert werden kann, führt zwangsläufig zu einem Verlust der breiten volkskirchlichen Verwurzelung. Und dennoch: Wenn wir neuesten Forschungen Glauben schenken dürfen, ist gerade in dieser Zeit postmoderner Beliebigkeit eine neue unabweisliche Sehnsucht nach dem Wahren, Echten und Transzendenten, ja nach Spirituellem und Mystischem vorhanden. Die positive Neubesinnung, der Aufbruch in der Kirche im Anschluss an das II. Vatikanische Konzil ist mit einer leider auch nicht zu übersehenden Krise verbunden, die gerade das kirchliche Amt betrifft und im drastischen Rückgang der Priesterberufe einen deutlichen Ausdruck findet. Der Theologe Max Welcker wagt in seinem Buch „Kirche im Pluralismus“ gar die Behauptung: „Nicht wenige Priester fühlen sich durch die innerkirchlichen Umbrüche der letzten Jahrzehnte verunsichert. (…) Durch diese Verunsicherungen absolviert beinahe jeder Priester in seinem subjektiven Amtsverständnis sein eigenes Programm, das nach seinen jeweils persönlichen und individuellen Glaubensüberzeugungen und Vorstellungen geprägt ist.“ Wenn dies so ist, dann brauchen wir uns über die Orientierungslosigkeit der Gläubigen nicht zu wundern. „Ein verunsicherter Priester verunsichert viele Gläubige.“ In einer solchen Situation wirkt Pfarrer Hieber wie ein Fels in der Brandung. Diesbezüglich sagte er gerne über sich: „Mit beiden Füßen stehe ich auf dem Boden, den Blick aber nach oben gerichtet!“ Pfarrer Hieber hatte ein im Glauben der Kirche fundiertes priesterliches Profil und einen klaren Standpunkt. Genau das, was Bischof Lettmann heute bei vielen Priestern wie auch Gläubigen so sehr vermisst. Deswegen war er ein ganzheitlicher Priester, der dadurch authentisch und anziehend auf die Menschen wirkte. Und diese Wirkkraft, die in einer echten und tiefen Christozentrik gründete, diese Wirkkraft fasziniert die Menschen bis heute.

Sie kennen viele Zeitzeugen, die durch Pfarrer Augustinus Hieber Heilungen, Bekehrungen und Ähnliches erlebt haben. Wie glaubwürdig sind diese Berichte?
In der kürzlich erschienenen Videodokumentation über den „Segenspfarrer vom Allgäu“, die ausführlich über das Leben und Wirken von Pfarrer Hieber berichtet, kommen vor allem zahlreiche Zeitzeugen zu Wort. Hier kann sich jeder selbst über die Glaubwürdigkeit einzelner Zeitzeugen ein Urteil machen. Fakt ist, dass einzelne Zeugnisse und gewisse Begebenheiten, die sich um Pfarrer Hieber ereignet haben, wissenschaftlich wohl nicht erklärt werden können.

Sie sind Vorsitzender des „Pfarrer Augustinus Hieber Gedächtnis Vereins“. Was bezweckt dieser Verein?
Unser Ziel ist es, das Leben und Wirken von Pfarrer Hieber anhand von Dokumenten, Archiven und noch lebenden Zeitzeugen authentisch und wahrheitsgetreu nachzuzeichnen und von allem unnötigen und unguten Zierrat zu befreien. Manches um Pfarrer Hieber, so scheint es, hat sich verselbstständigt und von der eigentlichen Botschaft, die die Person Pfarrer Hieber vermitteln wollte, losgelöst. Dem stellt sich der Verein gegenüber, der Pfarrer Hieber in solchen Fällen ins rechte Licht rücken will. Der Segenspfarrer war seiner Zeit weit voraus. So hatte er als einziger Pfarrer weit und breit schon 1936 für seine Schüler die Gemeinschaftsmesse in deutscher Sprache eingeführt und für seine Jugend gar den ersten Fernsehapparat der gesamten Gemeinde Merazhofen angeschafft. Vor allem aber war er ein erbitterter Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus. Hätte die Partei damals die Pfarrchronik Hiebers in die Hand bekommen, wäre Pfr. Hieber wohl im KZ geendet. Denn seine schriftlichen Äußerungen hätten klarer nicht sein können. Seine eindeutige Grundhaltung führte auch dazu, dass er es als Schuldekan erreichte, dass in den 52 Schulen des Dekanats Leutkirch die Kreuze hängen blieben. Wie dieses Faktum möglich wurde, bleibt bis heute ein Rätsel. Auch das sind Facetten aus dem Leben Pfarrer Hiebers. So will sich der Verein ein authentisches Gesamtbild über das Leben und Wirken Pfarrer Hiebers verschaffen, bei dem nichts über-, aber auch nichts unterbewertet werden soll. Dazu ist das Lebenszeugnis und die Botschaft, die der Segenspfarrer in unsere Zeit hinein vermitteln will, zu bedeutsam und wertvoll, als dass sie verkürzt wiedergegeben werden könnte.

Der Verein sammelte 20.000 Unterschriften zur Aufnahme eines Seligsprechungsverfahrens für Pfarrer Augustinus Hieber. Halten Sie eine Seligsprechung für denkbar?
Es geht hier, wie bei allen Selig- oder Heiligsprechungsverfahren der katholischen Kirche, zunächst einmal um das authentisch gelebte Lebenszeugnis einer Person auf Christus Jesus hin und deren Botschaft in die Welt von heute. Ich bin davon überzeugt, dass das Leben und Wirken Pfarrer Hiebers ein Zeugnis eines außergewöhnlichen heroischen Tugendgrades und einer prophetischen Botschaft beinhaltet, deren Bedeutsamkeit für unsere Zeit wir uns wohl erst in den nächsten Jahren voll und ganz bewusst werden.

Nahe Merazhofen entstand 1972 das sog. „Rasenkreuz von Meggen“, das nunmehr seit 40 Jahren sichtbar ist. Viele sehen darin ein von Pfarrer Hieber angekündigtes Zeichen?
Ich selbst habe mir das Rasenkreuz von Meggen schon angesehen und einen Einblick in die Aktenlage genommen. Meiner Meinung nach müsste die ganze Sachlage zuerst von kirchlicher Seite offiziell untersucht werden, um eine kompetente Antwort geben zu können.